Mittwoch, 9. Dezember 2009

Herrin im Herbst

Nach mehreren mails und zwei ausführlichen Telefonaten stehe ich ihr gegenüber. Dieser Frau, die sich bereit erklärt hat, meine Herrin zu sein.

Es ist Spätherbst, in ein paar Tagen beginnt der Winter.

Trotz der eher dicken Winterbekleidung erkenne ich sie sofort. Und sie erkennt mich.

*

Vor etwa zwei Stunden habe ich geduscht, mich im Gesicht und auch unten rasiert.

Meine - zu diesem Zeitpunkt - zukünftige Herrin hat das gewünscht.

Als Unterhose trage ich einen Stringtanga. Das wurde von ihr ebenso gewünscht.

Als Treffpunkt haben wir uns den Weihnachtsmarkt im Belvedere ausgemacht. Dieser Treffpunkt wurde von ihr vorgeschlagen. Ich habe nicht gefragt, warum sie diesen Treffpunkt gewählt hat.

*

"Guten Tag", sage ich mit etwas unsicher wirkender Stimme.

Mein letztes Treffen im realen Leben mit einer Herrschaft ist schon ein ganzes Weilchen her. Und die Fantasien und Spielchen im Internet kommen an das reale Leben einfach nicht ran.

Wortlos hält sie mir ihre Hand zum Handkuß hin.

Wir stehen mitten unter anderen Leuten. Und ich habe den Eindruck, als ob mich alle anstarren würden. Als ob ich der Mittelpunkt des ganzen Weihnachtsmarktes wäre.

Ich weiß nicht, ob mir diese Situation peinlich sein soll. Dass das alles nach einer außerordentlich höflichen Begrüßung ohne Hintergedanken aussehen kann - das ist mir jetzt nicht in den Sinn gekommen.

"Komm mit", sagt sie.

*

Wir sind zu einem Platz gegangen, der sich zwar noch im Bereich des Belvedere-Gartens befindet, aber vom Weihnachtsmarkt abseits ist und sich daher hier kaum Leute aufhalten. Es sind lediglich ein paar Leute hier, die sich die Beine vertreten und etwas Frischluft schnappen wollen ohne den Trubel des Weihnachtsmarktes mitmachen zu müssen oder zu wollen.

Sie setzt sich auf eine Bank.

Ich setze mich neben sie.

"Hab' ich dir gesagt, dass du dich setzen sollst?"

Ich zucke innerlich zusammen - und stehe wieder auf.

"Wie ich dir schon bei unserem letzten Telefongespräch gesagt habe: Wenn dir etwas nicht passt, wird sofort abgebrochen. Aber es gibt dann keinen neuerlichen Versuch oder so etwas ähnliches deinerseits. Ich gehe dann einfach und du wirst auch deiner Wege gehen. In weiterer Folge können wir dann über alles reden. Aber beim ersten Treffen dulde ich keine Widerrede oder ähnliches. - Hast du das verstanden? Bist du damit einverstanden?"

"Ja."

"Ziehe deine Jacke aus und leg sie hier her."

Nur mit dem Hemd bekleidet stehe ich bei sehr kühlen Temperaturen vor ihr.

Ich blicke mich um. Ob uns jemand sieht, ob jemand Notiz von uns - von mir - nimmt.

"Sieh mich an!"

"Knie dich hier vor mir her!"

Verdammt, das darf doch nicht wahr sein, denke ich mir. Aber trotz der kühlen Temperaturen, die eigentlich keine Lust aufkommen lassen, spüre ich, wie meine Lust ansteigt.

Ich spüre, wie unter meinem Stringtanga die Erregung steigt.

"Hände am Rücken verschränken!"

Sie greift in die Tasche ihres Mantels und holt ein Halsband heraus.
Sie legt es mir um den Hals.

Soll ich jetzt abbrechen?
Und meine Herrin dann nie mehr wiedersehen?
Ich bin unsicher.
Meine Gedanken sind wirr.

Ich spüre, wie sich die kleinen Kieselsteine in meine Knie pressen.

Meine Erregung kann sich durch den eng anliegenden Stringtanga nicht entfalten.

Mir ist die Situation peinlich. Doch im gleichen Ausmaß, wie sich die Schmerzen, die durch die Kieselsteine an meinen Knien verursacht werden, verstärken, verstärkt sich auch meine Lust. Meine Lust und Geilheit.

Deutlich merke ich, wie meine Tropfen der Lust immer mehr zu fließen beginnen.

Sie reicht mir die Jacke. Ich ziehe sie an.

"Steh auf!"

*

Wir gehen durch einen kleinen seitlichen Eingang des Gebäudekomplexes hinaus.

Es ist mittlerweile dunkel geworden.

Meine Herrin bleibt stehen. Ich bleibe auch stehen.

Sie sieht mich an.
Ich habe den Eindruck, als ob sie mich sanft anlächeln würde.

Wieder greift sie in die Tasche ihres Mantels.

Sie holt eine Leine heraus und legt sie mir an das Halsband an.

"Möchtest du abbrechen?"

"Nein", sage ich mit heiserer Stimme.

Jetzt lächelt sie wirklich.

"Wir gehen nur einmal um die Ecke und sind dann da."

Ich folge ihr. Von ihr an der Leine geführt.



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